Bautagebuch Zwingenberg

Unsere Abenteuer beim Bau eines Doppelhauses.

Blitzschutzanlage

Verlegung auf First

Viele ältere Häuser haben Blitzableiter, während man es bei Neubauten nur noch selten sieht. Außer bei öffentlichen Gebäuden – da ist Blitzschutz nämlich vorgeschrieben, damit keine Personen zu Schaden kommen.

Da statistisch der Blitz nur selten einschlägt, vertraut (Privat)man(n) auf die Versicherung, die im Schadensfall auch zahlt. Was viele aber nicht wissen:

Ohne äußeren Blitzschutz (Blitzableiter) nimmt der Blitz seinen Weg durchs Haus und verursacht Brände sowie explosive Schäden an der Elektroinstallation. Von den traumatisierten Personen gar nicht zu reden.

Hinzu kommt die Auswirkung der Überspannung, die sämtliche Elektrogeräte zerstören kann, sogar im Nachbarhaus. Autos haben heute neben Sicherheitsgurten unzählige Airbags, Gurtstraffer und Knautschzonen, obwohl schwere Unfälle nur selten passieren.

Anfragen bei Firmen, die das ausführen, führten zu unzähligen Rückfragen und uns wurde klar, das wird sehr teuer. Firmen müssen halt garantieren, dass nichts passiert und bauen nur eine 100-%-Lösung. Daher haben wir uns entschlossen, das in Eigenleistung zu machen. Dann kann man auch mal einen Kompromiss machen, der den Grundschutz nicht in Frage stellt, aber keine 100-%-Absicherung. Z.B. ist die Anordnung der Solarpanels so weit oben, dass aufgrund der flachen Dachneigung ein Direkteinschlag nicht ausgeschlossen werden kann.

Ausführung äußerer Blitzschutz

Zunächst wurde während der Kellerbauphase ein Erdungsleiter rund ums Haus eingegraben und an den 4 Hausecken nach oben geführt. Außerdem gibt es noch eine Querverbindung unter dem Haus und eine Verbindung durch die Bodenplatte in den Hausanschlussraum als Potentialausgleich. Dieser Erdleiter wurde aus korrosionsfestem V4A Edelstahl ausgeführt, auch wenn dieser nur eine relativ geringe Leitfähigkeit hat. Oberirdisch ist dann aber Aluminium angesagt, das korrodiert über der Erde nicht und leitet den Strom rund 30-mal besser.

Verlegung am Ortgang

Auf dem Dachfirst wurde eine Fangleitung montiert, jeweils an den 4 Ortgängen nach unten zur Regenrinne geführt und an dieser nah am Fallrohr angeklemmt. Die Fallrohre aus Titanzink könnten den Blitzstrom zwar auch nach unten leiten, aber ein Aluminiumleiter hat auch hier einen 10-fach geringeren Widerstand. Die Verbindung der Aluminiumleiter mit dem Edelstahl erfolgt dann über der Erde und ist unproblematisch, weil beide Metalle in der Spannungsreihe nah beieinander liegen und die Verbindung nicht dauerhaft im Wasser ist.

Blitzschutz auf First

Im Dachbereich wurden auch die Dachrinnen und Fallrohre der Gauben, sowie die oberen Halter der Solarpanels mit angeschlossen. Erst ein Schutzwinkel von 45° würde die Einrichtungen unter dem First schützen, die Dachneigung von 25° schließt das aber aus. Außer, man würde ca. 10 m hohe Fangleiter nach oben führen. Ein Blitz wird nicht direkt von Objekten angezogen, sondern fällt wie eine Kugel mit 20…30 m Durchmesser vom Himmel (Blitzkugelverfahren). Was als erstes getroffen wird, nimmt den Blitzstrom auf. Blitze haben schon am Fuß von Fabrikschornsteinen eingeschlagen.

Anbindung der Solarpanels
Gaubenanbindung
Verbindung Dachrinne
Verbindungen Dachrinne
Details der Verbindungen

Überspannungsschutz

Aufgrund des Übergangswiderstandes zwischen Erder und Erdreich, der auch bei guten Erdern kaum 1 Ohm unterschreitet, kommt es beim Blitzeinschlag zu einer Anhebung des Erdpotentials. Die Verbraucher im Haus werden über den unvermeidlichen Potentialausgleich mit angehoben, also das PE(N)-Potenzial. Die Netzphasen und auch Telefonleitungen kommen aber aus der Ferne und bringen quasi Nullpotenzial mit (230 V sind gegenüber 10.000 V auch fast 0). Abhilfe schaffen hier Überspannungsableiter, die zwischen den Netzphasen und dem PE(N) geschaltet werden, sowie zwischen Telefonleitungen und PE. Diese klemmen die Überspannung dann auf moderate 1000…2000 V, was die Verbraucher in der Regel vertragen (vorgeschriebene EMV-Prüfung mit Stoßspannungen).

Das richtige Werkzeug

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